Jûjutsu , sanfte Kunst, flexible Technik… Irreführender geht es wohl kaum. Dabei ist das Wort an sich gar nicht so schwierig, die Interpretation macht die Probleme. Auf die richtige Schreibweise möchte ich hier gar nicht weiter eingehen, es gibt andere die sich lang und breit darüber ausgelassen haben. Das Jûjutsu für sich genommen keine Bezeichnung für eine traditionelle japanische Kampfkunst, sondern nur ein Überbegriff ist, dem zwingend der Stilnahme (…Ryu) beigeordnet werden muss um einigermaßen seriös zu sein sollte sich auch von selbst verstehen

Jûjutsu ist auch nicht „waffenlos“ ,  weil irgendwelche Fürsten „ihren Kriegern das Schwerttragen verboten haben“ (buarks) oder weil das halt „die Selbstverteidigung der Krieger war“ (bää, noch schlimmer). Jûjutsu ryu haben Stock, Schwert und anderes im Programm und zwar nicht als „Extra“ oder mal eben dazugefügt „um das auch zu haben“ sondern als integralen Bestandteil des eigenen Ausbildungssystems. Die Körpermechanik ist dieselbe. Es ist ein System egal ob mit Waffe oder ohne. Schwert kann also auch Jûjutsu sein, Überraschung.

Nun aber zur eigentlichen Thematik: Oft wird Jûjutsu als besonders sanfte Form des Kampfes missgedeutet. Man ist nett zum Gegner usw. Der Name oder die Interpretation des Namens leistet dem natürlich Vorschub. Falsch, Falsch und nochmals Falsch! Die klassischen Jûjutsu ryu sind nicht nett! Der Gegner wird getötet, manchmal geradezu zerstört. Gut es gibt auch Techniken um den Gegner gesund und munter gefangen zu nehmen. Wahrscheinlich um ihn hinterher zu verhören oder öffentlich hinzurichten. Also nur ein Aufschub mit demselben Ergebniss. Auch kann man natürlich die Techniken so abwandeln oder anwenden, dass sie im Rahmen der heutigen Gesetzeslage zur Selbstverteidigung taugen. Das ist aber nicht der Kern der Sache. Worauf der Name eigentlich abziehlt ist die relative Mühelosigkeit der Techniken (wenn man Sie kann). Sie sollten sich immer wieder Beobachten: Brauchen Sie viel Kraft bei der Ausführung der Technik? Dann ist sie falsch. Mit Sicherheit. Kraft kann und darf man bei Bedarf dazugeben. Sie darf aber nicht die Grundlage der Technik bilden.

Yasumoto sensei war gerade wieder zu Besuch. Wie immer ging es bei seinen Ausführungen für die Fortgeschrittenen um die smal Points (Vergleiche den Artikel). Die Techniken sind nach der Korrektur nicht anders als vorher, nur müheloser, ökonomischer, verbrauchen weniger Kraft. Das ist Jûjutsu. Wie ein Schüler neulich äußerte: „Wenn du morgends um 8 anfängst zu Kämpfen und um 16 Uhr vom Schlachtfeld nach hause gehen willst musst du halt faul sein.“ Natürlich nicht Faul im Training aber im Sinne von kraftsparend in der Technik.

Also lieber K.O. sein am Ende des Trainings durch 100 Ausführungen ökonomischer Technik statt 10 mal kraftbetonte Technik durchzubolzen.

Advertisements