Was ist die Motivation für einen Lehrer zu Unterrichten?
Ich wette, für Viele ist es (neben vielen anderen Dingen) auch Stolz. Das muss im Grunde nicht schlecht sein. Ich möchte mich davon sicher auch nicht freisprechen. Der Grat zu aufgeblasenem Ego und Profilneurose ist aber nicht besonders breit.

Früher, konnte oder musste sich ein Lehrer (zumindest öfter als heute) schon gleich nach dem Aufstehen morgens fragen: „Bin ich heute gut genug um zu überleben, sind meine Schüler gut genug um zu überleben?“
Was ist heute? Welcher Lehrer/Ausübende einer Kampfkunst/Sport muss sich das heute ernsthaft jeden Tag fragen? Sicher der überwiegende Teil nicht.

Wie mag wohl die Motivation in so einer Zeit/ Situation ausgesehen haben. Wie wirkt sich die Vergegenwärtigung so eines Gedankens auf den Fokus, die Ernsthaftigkeit und die Intensität des Trainings aus?

Die Lehrer in Schulen mit einer Tradition, mit Vorfahren und Geschichte haben es da heute meiner Meinung nach einfacher, den richtigen Weg beizubehalten.

Mein Lehrer, Oberhaupt unserer Schule ist nun im fortgeschrittenen Alter. Immer öfter bin ich aufgefordert ihm bei seinen Besuchen in Europa zu assistieren, gar das Training ganz zu leiten. Immer öfter kommen auch Einladungen in Moto-ha yôshinryu Dojo in anderen Ländern, um den dortigen Hombucho unter die Arme zu greifen. Ich bin in den Kreis der „Seniorschüler“ vorgedrungen.
Wow, denkt man zuerst, geschafft. Cool, Ansehen und ja . . . auch Macht.

Aber dann wird einem Bewusst, und das Folgende gilt für alle Schüler und Lehrer, je weiter man kommt um so mehr.
Will ich irgendwann der Arsch (entschuldigen Sie die Ausdrucksweise) sein?
Wenn beispielsweise die Schule schon 300 Jahre existiert. Möchte ich dann wirklich in weiteren 200 Jahren als Derjenige bekannt sein, der die Schule hat zugrunde gehen lassen?
Der maßgeblich dafür verantwortlich war, das Inhalte verlorengingen, oder auch nur eine Kata nicht mehr verstanden wird.

Ich bin Verantwortlich! Für die Schüler und für die Schule, für die Technik, die Tradition. Die Vorfahren schauen mir über die Schulter.

Je weiter ich bin, um so mehr, da mein Potential etwas zu zerstören umso größer ist.
Da ist kein Raum für Ego, Spielereien oder seltsame Auswüchse einiger „Großmeister“.
Vielleicht ist diese Betrachtungsweise Diejenige, welche in unseren Breiten und in unserer Gesellschaft dem : „Bin ich heute gut genug um zu überleben“ am nächsten kommt und damit zur Motivation taugt.

Ein klein wenig Stolz auf das Erreichte darf trotzdem erlaubt sein. Man darf eben nur nicht stehenbleiben.

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